Paarungszeit

10 Schritte für eine erfolgreiche Zusammenführung von Kaninchen

Man stelle sich einmal vor: da sitzt man zuhause am Sofa, und plötzlich steht ein wildfremder Mensch mit vollen Koffern im Zimmer, und der will einfach hier einziehen. Da wäre man auch nicht sonderlich erfreut, oder? Genau so geht es einem Kaninchen, dem man plötzlich ein neues, fremdes Kaninchen vor die Nase – in sein Revier! – setzt.

Viele Menschen haben Angst vor der Vergesellschaftung zweier (oder mehr) Kaninchen. Dabei ist es gar nicht so dramatisch, wenn man ein paar Punkte beachtet.

Kuscheltime_byMonikaKZuerst muss man verstehen, was in einem Kaninchen vorgeht, welche Bedürfnisse es hat und wie es mit dem Sozialverhalten aussieht. Kaninchen sind sehr soziale Tiere, sie brauchen mindestens einen Artgenossen, gerne auch mehr. In der Natur leben Wildkaninchen immer in Verbänden von üblicherweise etwa 6 bis 12 Tieren. Innerhalb dieser Verbände herrscht eine strenge Rangordnung. Jede Kaninchengruppe hat ihr Revier, das sie auch verteidigt. Kaninchen sind Fluchttiere (und deshalb auch nur bedingt zum Kuscheln geeignet), dennoch können sie auch durchaus angriffslustig sein, wenn da jemand Neuer ihnen ihr Revier streitig machen will.

Hat man das einmal verstanden, tut man sich gleich viel leichter mit der Vorbereitung einer Vergesellschaftung. Die wichtigsten Punkte habe ich hier zusammengetragen:

1) Partnerwahl

Auf den richtigen Partner kommt es an. Am besten funktionieren gegengeschlechtliche Paare, das heißt eine Häsin und ein Rammler, oder gemischte Gruppen. Wenn man ein älteres Tier zuhause hat, sollte man sich nach einem ebenfalls älteren – auf jeden Fall aber erwachsenen Kaninchen umsehen. Rammler müssen unbedingt kastriert sein (bei frisch kastrierten Rammlern die 6-wöchige Frist abwarten! In der Zeit sind sie nämlich immer noch zeugungsfähig!). Junge Kaninchen unter 4 Monaten haben noch eine sehr dünne Haut – es besteht größere Verletzungsgefahr.

Auch auf den Charakter sollte geachtet werden. Wie wir Menschen, haben auch Kaninchen unterschiedliche Charaktere. Ein eher ruhiges, gemütliches Tier wird mit einem quirligen, aktiven Artgenossen, der ständig Action braucht, wahrscheinlich nicht glücklich werden.

2) Tierarzt-Check

Hat man nun nach den oben angeführten Kriterien „das Kaninchen“ gefunden und möchte es bei sich aufnehmen, empfiehlt sich zu allererst ein Besuch beim Tierarzt zwecks Gesundheits-Check. Hier sollte man unbedingt eine Kotprobe mitbringen und diese auf Parasiten untersuchen lassen (bestenfalls über drei Tage ein paar Kügelchen einsammeln!).
Gibt der Tierarzt grünes Licht, ist das Tier also gesund und parasitenfrei, kann es losgehen.

3) Wo ist der beste Platz?

Wo vergesellschafte ich Kaninchen am besten? Ein eingesessenes Tier wird, wie bereits oben beschrieben, höchstwahrscheinlich sein Revier verteidigen und den Neuen/die Neue attackieren. Die Zusammenführung muss daher an einem neutralen Ort erfolgen, also an einem Platz, an dem beide Kaninchen noch nie waren, der nicht nach ihnen riecht, den sie nicht kennen. Das Badezimmer eignet sich hier beispielsweise oft hervorragend, da es sich auch gut reinigen lässt (Kabel/Schlauch einer eventuell vorhandenen Waschmaschine entfernen!).

4) Boden

Apropos Reinigung: hat man keinen geeigneten, verfliesten Raum zur Verfügung, empfehle ich, den Boden mit PVC-Belag auszulegen (Reststücke gibt es im Baumarkt schon sehr günstig), da Kaninchen – vor allem, solange sie sich die Rangordnung erst ausmachen – ihr Revier markieren. Damit die Tiere gut laufen können und nicht rutschen, sollte man ein paar waschbare Teppiche auslegen.

5) Gehege-Größe

Im Normalfall wird man ein Vergesellschaftungs-Gehege aufbauen. Dieses sollte nicht zu klein, aber auch nicht zu groß sein. Die Kaninchen sollten einander begegnen, aber auch ausweichen können. Man geht bei einem fixen Gehege von mindestens 2 qm pro Tier aus – bei einer Vergesellschaftung kann das unter Umständen zu viel sein. Das merkt man allerdings recht rasch: wenn die Tiere sich nicht miteinander beschäftigen, wird das Gehege Stück für Stück verkleinert.

6) Gehege-Einrichtung

Alle Gegenstände, an denen die Tiere sich verletzen könnten, bitte entfernen. Eine oder noch besser zwei Klokisten, Heu und Wasser sollten vorhanden sein sowie mindestens zwei Häuschen als Versteckmöglichkeiten (bei Gruppen natürlich entsprechend mehr), am besten mit je zwei Ausgängen. Hierfür kann man z.B. zwei große Schachteln nehmen und diese entsprechend zuschneiden. Vielleicht noch ein paar Obstbaumzweige und etwas Futter an verschiedenen Stellen verteilen, damit die Tiere auch etwas zu entdecken haben.

Ich mache die Vergesellschaftungen immer in meinem Wohnzimmer, weil das der einzige Raum ist, den die Kaninchen nicht kennen – abgesehen vom Schlafzimmer, das ist tabu! – und der groß genug ist, ein Gehege aufzustellen.
So sieht das dann bei uns immer ein paar Tage lang aus:

7) Der richtige Zeitpunkt

Ist alles soweit vorbereitet, kommen die Kaninchen möglichst gleichzeitig in das neue Gehege oder in den Raum.
Am besten beginnt man eine Zusammenführung übrigens am Morgen – da ist für die dämmerungs- und nachtaktiven Tiere noch Ruhezeit und sie sind nicht so aktiv wie am Abend. Meistens verläuft das Kennenlernen dann ruhiger ab.

8) Ruhe bewahren!

Jetzt heißt es Ruhe und Geduld bewahren. Am besten, man zieht sich jetzt zurück, denn solange Menschen in der Nähe sind, sind die Tiere abgelenkt und zeigen oft nicht ihr normales Verhalten. Das heißt aber nicht, dass man jetzt einfach shoppen gehen kann, man sollte schon in der Nähe bleiben und ab und zu nach dem Rechten sehen.

Die Kaninchen lernen einander nun kennen. Sie werden sich gegenseitig beschnüffeln, die neue Umgebung wird erkundet, es wird gerammelt und mitunter auch gerauft. Die Tiere müssen sich die Rangordnung ausmachen. Das sieht für Menschen oft wilder aus, als es ist. Hier sollte man sich jetzt nicht einmischen! Rangeleien, bei denen Fellbüschel fliegen, sind völlig normal.

Einschreiten sollte man nur, wenn Kaninchen sich ineinander verbeißen und nicht mehr loslassen. Das kommt allerdings sehr selten vor. Normalerweise gibt eines der beiden nach und der „Stärkere“ lässt dann auch vom Unterlegenen ab. Sollte das nicht der Fall sein und eventuell sogar Blut fließen, muss man die Tiere natürlich trennen. Aber nur dann!

9) Wie lange?

Eine Vergesellschaftung kann ein paar Minuten, Tage oder gar Wochen dauern, das ist ganz unterschiedlich. Allerdings erkennt man relativ bald, ob zwei Tiere sich verstehen oder nicht. Ignorieren die Kaninchen einander, ist es noch lange nicht vorbei. Eventuell sollte man in diesem Fall den Raum temporär verkleinern, damit die Tiere sich annähern „müssen“ (siehe Punkt 5). Erst wenn die Kaninchen miteinander fressen und kuscheln, ist wirklich geschafft. Die Rangordnung ist geklärt, die Vergesellschaftung ist überstanden.

10) Zurück in’s alte Revier

Während die Vergesellschaftung läuft, hat man genügend Zeit, das alte Revier des eingesessenen Kaninchens zu „neutralisieren“, d.h. zu reinigen, Teppiche zu wechseln, Häuschen und sonstige Einrichtung umzustellen usw., damit es nicht wieder erkannt wird.

Manche Menschen neigen zu Ungeduld. Sie machen den Fehler, die Tiere zu früh in das Revier eines eingesessenen Kaninchens zu setzen, unter Umständen erkennt es sein Revier doch wieder, und dann geht die Rangelei von vorne los! Lieber einen Tag und eine Nacht länger warten, bevor man die Tiere umsetzt!

Wenn man diese Punkte beherzigt, stehen die Chancen gut, dass man bald ein glückliches, zufriedenes Kaninchenpärchen hat. Oder eine funktionierende Gruppe. Und das wollen wir Möhrenschnibbler doch alle, oder? ;-)

Pärchen

So sehen glückliche Kaninchen aus.

Anmerkung: Natürlich gibt es keine Garantie für eine erfolgreiche Vergesellschaftung. Aber, wie eingangs bereits erwähnt, wenn man versteht, wie die Tiere ticken und sich danach richtet, funktioniert es in den meisten Fällen. Meine Empfehlungen beziehen sich hauptsächlich auf Innenhaltung – bei Außenhaltung sieht es natürlich etwas anders aus, da kann man nicht so einfach ein zweites Gehege im Garten aufstellen. Dennoch sollte man ein neutrales Gebiet suchen, wo man die Vergesellschaftung durchführen kann. Meistens wird das dann auch drinnen gemacht, und die Tiere danach wieder hinaus gesetzt. Achtung jedoch auf die Temperaturen, wenn das neue Tier aus Innenhaltung kommt! Im Sommer (etwa Ende Mai bis August) ist das kein Problem, aber wenn es nachts kühler wird, kann das Kaninchen sich verkühlen, weil es noch nicht das wärmende Fell hat, welches Außen-Kaninchen von Natur aus wächst.

Monika K.
Tierfreundin & Inhaberin der Info-Seiten Pfötchen-Info

4 Gedanken zu “Paarungszeit

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